| Jäger und Sammler der Bierkultur
Wenn Krüge und Deckel das Leben prägen Eldorado
Bamberger Land
LKRS. BAMBERG. Das Bamberger Land ist der Nabel der Welt.
Biertrinker wissen das. Und weil es nirgendwo eine größere Brauerei-Vielfalt
gibt, ist hier auch ein Eldorado für Jäger und Sammler rund um die Bierkultur.
Sammeln lässt sich so ziemlich alles, was mit einem Brauerei-Emblem
versehen ist: Etiketten und Flaschen, Gläser und Dosen, Kronkorken und
Kartenspiele, Brauereischilder und neuester Trend Modelle
von Brauerei-Fahrzeugen. Die Klassiker sind jedoch Bierkrüge und -deckel,
letztere hierzulande besser als Bierfilze bekannt.
Ob die Filze im täglichen Gebrauch besser unter oder auf
den Krügen platziert werden, muss jeder Biertrinker selbst entscheiden.
Wenn man aber etwa 55 000 davon besitzt, wie Klaus Buchta aus Geisfeld,
dann stellt sich die Platzfrage schon ganz anders. Und wenn man sich,
so wie Buchtas Bamberger Sammlerkollege Günter Ruhland, auf Krüge spezialisiert
hat, ist schnell das ganze Haus bis unters Dach gefüllt.
Rund 1100 Seidla und Maßen hat Ruhland in 16 Jahren Sammelleidenschaft
zusammengetragen. Dabei hat er sich sogar regional begrenzt. Nur Krüge
aus Stadt und Landkreis Bamberg sowie alte Münchner Krüge kommen ihm ins
Haus, während sich Klaus Buchta, seit 14 Jahren Bierdeckel-Fan, ganz Deutschland
als Sammelgebiet ausgesucht hat.
Auf etwa 70 bis 80 Leidenschafts-Genossen schätzen die
beiden die Sammlergemeinde im Bamberger Raum, davon ist ein halbes Dutzend
in einem 1958 gegründeten Fachverband organisiert. Die treffen sich nicht
nur regelmäßig auf Tauschbörsen, sondern sind in fast jeder freien Minute
auf der Jagd nach verborgenen Schätzen der Bierkultur. Man könnte
verrückt werden, weil es so viel gibt, was man haben möchte, meint
Klaus Buchta, aber Je ernster man die Sache nimmt, desto zeitaufwendiger
wird es. Während Ruhland es genießt, als Rentner nun etwas mehr
Zeit für sein Steckenpferd zu haben, investiert Buchta schon mal ein ganzes
Wochenende und so manchen Feierabend in sein Hobby.
Beide bedauern es, Spätberufene zu sein. Wir
hätten früher anfangen sollen, denn bereits in den 60er Jahren ist
so richtig losgegangen mit der Sammelei. Seltene und ältere Stücke sind
seither kaum noch neu aufzufinden, auch wenn man Brauerei für Brauerei
abklappert, um nach heimlichen Vorräten zu fahnden; von den vielen Brauereien,
die nicht mehr existieren, ganz zu schweigen. Viele die fündig wurden,
oder bereits früher mit dem Zusammentragen anfingen, hüten ihre Kostbarkeiten
wie den Augapfel.
Kaufen und Verkaufen sind eigentlich verpönt unter echten
Sammlern. Doch inzwischen wechseln Bierfilzraritäten aus der Vorkriegszeit
schon mal für bis zu 500 Mark den Besitzer. Für seltene alte Krüge zahlen
Enthusiasten gar eine vierstellige Summe. Der Nachwuchs, der kaum noch
eine Chance hat, sich direkt an der Quelle mit den Objekten der Begierde
zu versorgen, wird von solch hohen Einstiegspreisen oft abgeschreckt.
Auch Leute wie Klaus Buchta und Günter Ruhland, die schon
fast zwei Jahrzehnte auf dem Sammlerbuckel haben, sehen sich zunehmend
zum Zukauf gezwungen. Mit Wehmut erinnern sie sich an ihre Anfangsjahre,
als das noch kaum ein Thema war. Da wurde auf Tauschbörsen noch getauscht,
abendelang gefachsimpelt und ab und zu gab's von den alten Hasen
sogar was geschenkt.
Heute dagegen würde das Geschäft auf den Tauschbörsen
immer hektischer, die Gemütlichkeit, die sprichwörtliche Bierruhe der
Sammler, zunehmend vom Jagdfieber verdrängt. Viele wollen nicht mal mehr
zeigen, was sie haben, geschweige denn, es aus der Hand geben. Dabei genügt
doch manchem schon, nur einen Blick auf eine echte Rarität zu werfen.
Die Sammler kommen nicht nur aus der Bierregion Bamberg
oder anderen klassischen Biergegenden, obwohl für die allermeisten die
Liebe zum Gerstensaft einfach dazu gehört. Günther Ruhland sieht es als
unbestreitbaren Vorteil, wenn er auf Brauereitour ist, gemütlich ein Bier
trinkt und dabei den Brauern näher kommt, um ihnen vielleicht den einen
oder anderen Schatz zu entlocken.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist oft entscheidend.
So hat per Zufall schon manch ein Urlauber eine begehrte Rarität ergattert.
Es ist erstaunlich, wie viele Objekte aus Franken bei Sammlern aus
Berlin, aber auch aus Österreich, Belgien und den Niederlanden vorhanden
sind, weiß Klaus Buchta zu berichten. Und Günter Ruhland kann das
belegen: einen Krug der Bärenbräu Bamberg von 1908 hat er aus dem Nachlass
eines holländischen Sammlers erworben.
So treibt die Hoffnung, doch noch irgendwann und irgendwo
ein Schnäppchen zu machen die Sammler immer wieder an. Selbst wenn man
sich auf ein begrenztes Sammelgebiet beschränkt, gibt es immer wieder
neues Altes zu entdecken. Was zählt ist, wie bei Sammelobjekten aller
Art üblich, die Seltenheit.
Kleine Brauereien haben kleine Auflagen, weiß
Bierdeckelsammler Buchta die heimische Region zu schätzen. Auch
wenn manche leider ein bisschen faul sind, was den Druck von neuen Serien
betrifft, fügt er an. Denn in seinem Sammelgebiet gibt es wenigstens
noch die Chance, dass auch begrenzte Neuauflagen zu besonderen Anlässen
sich dereinst zu begehrten Sammlerexemplaren mausern können.
Da setzt er schon mal alle Hebel in Bewegung, wenn
er beispielsweise erfährt, dass die große Jever-Brauerei eine kleine Serie
exklusiv für die Schiffe der Bundesmarine aufgelegt hat. Günter Ruhland
dagegen hält gar nicht nach neuen Krügen Ausschau. Für ihn ist mit den
50er Jahren Schluss.
Hans Kurz
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