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Kellertipps
Wenn
Anfang Mai die ersten wärmenden Sonnenstrahlen wieder die Wanderer
in die Natur locken, dann beginnt die Saison für eine weitere Volkssportart
der Franken, vor allem in den Gebieten um Bamberg: Man geht "auf den Keller",
Frau auch!
"Auf den Keller"??? Ja, Sie haben richtig gelesen,
nicht "in den Keller". Damals, als es noch keine Kühlschränke
gab, musste das Bier -vor allem in den Sommermonaten- zur besseren Haltbarkeit
irgendwie kühl gelagert werden. Dazu boten sich logischerweise Keller
an. Da die Keller unter den Brauereien in der Stadt nur eine bregrenzte
Lagerkapazität boten, wich man in die Außenbezirke aus. Dort
wurden Stollen in die Hügel getrieben mit den Eingang auf die nördliche,
sonnenabgewandte Seite. Häufig wurden zur weiteren Kühlung noch
Bäume über den Kellern gepflanzt.
Der Transport der Fässer zu den Kellern mit Pferd
und Wagen war damals eine ziemliche Schinderei. Was lag also näher,
als das eingelagerte Bier direkt "ab Keller" auszuschenken. Dies war dann
auch die Geburtsstunde der heutigen Bierkeller.
Obwohl viele Keller stets ein einfaches
aber schmackhaftes Angebot an kleinen Speisen haben, ist es fast überall
erlaubt, seine eigene Vesper mitzubringen. Nur die Getränke sollten
Sie besser vom Kellerwirt beziehen. Zur Grundausstattung eines Kellerbesuchs
gehört auf jeden Fall ein Regenschirm, denn ein Unwetter kommt meistens
schneller als man denkt!
Wenn Sie sich dann in fröhlicher Runde niedergelassen
haben, wundern Sie sich bitte nicht über einige seltsame Gebräuche
und Rituale: Bierfilze auf statt unter dem Krug verhindern, dass Ihr Getränk
urplötzlich eine Fleischbeilage oder einen holzigen Beigeschmack bekommt.
Nachbestellt wird, indem man seinen Bierkrug quer legt. Eine aufmerksame
Bedienung vorausgesetzt, rollt der Nachschub sofort. Allerdings haben viele
Keller Selbstbedienung, dann können Sie lange warten...
Damit die Verständigung auch für Nichtfranken
klappt, seien hier noch einige "Fachbegriffe"
erkärt:
| Ade |
Tschüß |
| Backsteinkäs |
Mit dem Limburger vergleichbare Käseart.
Wird gerne mit "Musik" gereicht. |
| Eing'schnittne |
Wurstsalat, meist Fleischwurstscheiben mit
Musik und Zwiebeln. |
| Knoblauchwurst |
Einfache Wurstsorte, wird mit Musik oder
auch warm serviert |
| Maß |
Das Maß aller Dinge: Ein Liter leckeren
Bieres |
| Musik |
Nicht das akustische Ereignis, sondern eine
würzige Soße aus Essig, Öl, Salz und Pfeffer. |
| Pressack |
Gibt es "weiß" und "rot" |
| Seidla |
In nicht-fränkischen Regionen als "Halbe"
bezeichnet: 1/2 Liter Bier. |
| Schnitt |
Entspricht etwa 1/4 Liter Getränk.
Franken bestellen oftmals kurz vor dem Heimweg vom Stammtisch noch schnell
einen Schnitt, um mit den Stammtischbrüdern gleichzuziehen. |
| Spruz |
Wenige Schlucke. Wird aber nicht ausgeschenkt. |
| Ziebeleskäs |
Würziger Quark oder Frischkäse,
nach alten, oft geheimen, Familienrezepten hergestellt. |
| Zwetschenbaames |
Lufgetrockneter Rinderschinken in dünnen
Scheiben. |
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