|
Entstehung der Bierkeller
War
früher das obergärige Bier wegen nur kurzer Haltbarkeit zum
raschen Verbrauch bestimmt, so änderte sich das einschneidend mit
der Erfindung des Untergärigen (erstmals 1474 in der Nabburger
Chronik erwähnt). Dieses Bier war mit neun bis zehn Monaten möglicher
Lagerzeit wesentlich länger haltbar.
Ein Problem der damaligen Zeit bestand in der kühlen
Lagerung des begehrten Gerstensaftes. Im Winter bereitete dies keine
Schwierigkeiten, im Sommer hingegen schon. In alten Gerichtsakten wird
von saurem Bier berichtet, der Brauer wurde bestraft. Man sann auf Abhilfe,
zumal die Lagerkeller unter den Brauereigebäuden oft nur begrenzt
aufnahmefähig waren.
Fast eine Ideallösung bot sich durch den Bau von
Stollen in Berg- und Böschungshängen. Vor allem die in Stein
zeichneten sich durch eine gleichmässig niedrige Temperatur von
eta 8 Grad zu allen Jahreszeiten aus, was sich für die Einlagerung
als besonders günstig herausstellte. Zweckmässigerweise legte
man die Anlagen, soweit möglich, noch auf die sonnenabgewandte
Nordseite. Laubbäume wurde - sofern nicht schon vorhanden - zur
Beschattung angepflanzt.
Diese Plätze, die meist ausserhalb der Ansiedlungen
lagen, waren Anziehungspunkte für unsere Vorfahren, zumal man das
mit Pferd und Wagen mühsam zum Keller gebrachte und eingelagerte
Bier gleich "ab Keller" ausschenkte. Die Bierkeller waren
geboren!
Der Grundstein für den weiteren Erfolg des Bieres
in Franken war gelegt. Noch sprach man vielerorts mehr vom Wein als
dem üblichen Sommergetränk zu (in Bamberg bestanden im Jahr
1831 neben 62 Brauereien noch 40 Weinschänken auf Stadtgebiet),
doch begann das Bier seinen Siegeszug.
Um
1830 waren die Keller so sehr beliebt, dass ein zeitgenössischer
Bamberger Chronist stöhnte: "Die Bierkeller sind das Hauptanliegen
der Bamberger!". Viele Wanderungen endeten meistens auf einem Keller
oder waren der eigentliche Grund für eine Wanderung direkt dorthin.
Geschäftstüchtige Wirte holten ihre Kundschaft sogar mit dem
"Zeiselwagen" ab und das "Bamberger Tagblatt" richtete
eigens ein "Felsenkeller-Anfrage-Büro" ein.
In Erlangen, das zu jener Zeit einen höheren Bierausstoß
als Kulmbach und München zusammen hatte, traf man sich an heißen
Sommertagen im Kellergebiet und kostete von den dort in Spitzenzeiten
eingelagerten 21.000 Hektorlitern. Im Jahr 1850 warben 16 Brauereien
um die Gunst der damals 3000 Einwohner.
Wachsender Konkurrenzdruck brachte ständig neue
Ideen zur Gästeanlockung und -unterhaltung. Kegelbahnen wurden
gebaut, Schießbuden oder -stände aufgestellt. Später
kam der Bau von Musikpavillons dazu.
Doch jede Blütezeit neigt sich irgendwann einem
Ende zu. Bestanden 1840 noch 63 Sommerkeller auf Bamberger Stadtgebiet,
so waren es bis zur Jahrhundertwende nur noch 35. Ein regelrechtes Kellersterben
brachte der 1. Weltkrieg mit sich. Kriegsfolgen und Weltwirtschaftskrise
reduzierten den Bestand auf gerade noch 11 im Jahre 1934. Ähnlich
sah es auch im Umland aus.
Heute ist das Gebiet in und um Bamberg, Forchheim und
Erlangen als Sommerkeller-Region fast konkurrenzlos. Steigende Touristenzahlen
bringen heute viele Wirte dazu, ihre alten stillgelegten Keller wieder
zu reaktivieren. Ein zünftiger Kellerbesuch, vorzugsweise in Begleitung
eines erfahrenen Kellergängers, sollte in den Sommermonaten zum
Besuchsprogramm der Fränkischen Region gehören. Denn was gibt
es schöneres, als mit gutem Bier, rustikalem Essen und netten Leuten
einen Nachmittag oder Abend abseits von Streß und Hektik zu verbringen?
Quelle: Kellerführer II, Verlag Peter
Sem
|